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Getanzte Träume

Dream On 5

Primus Schule inszeniert das Musical „Dream on“ mit mehr als 100 Mitwirkenden

Aus dem Dunkel der Bühne erklingt am Klavier Franz Liszts „Liebestraum“, ein Scheinwerfer fängt die Ballerina Anna Panthöfer (Jahrgang 9) ein, die sich traumwandlerisch sicher und in weichen, ausladenden Bewegungen um einen in der Bühnenmitte stehenden Baum bewegt. Die Tänzerin interpretiert die scheinbar unverletzliche Anmut und Schönheit der Natur und macht sie für das Publikum gleich zu Beginn des Abends durch ein beeindruckendes Zusammenspiel von Musik und Tanz erfahrbar.

Doch schon nach wenigen Augenblicken ändert sich die Szenerie und reißt die Zuschauer aus der zuvor noch friedlich-harmonisch geglaubten Traumwelt. Die gesamte Bühne wird, begleitet von einem von der Bigband subtil intonierten eindringlichen Basston, in ein gleißendes Rot getaucht. Im Hintergrund erscheinen Tänzerinnen und Tänzer, die zu dem einsetzenden knackigen Groove von Schlagzeug, Bass und Bläsern tanzend und singend den Titelsong „Dream on“ in einer Bearbeitung von Michael Jacksons „Thriller“ anstimmen. Im nächsten Moment nähert sich aus dem Zuschauerraum eine Gruppe von Darstellerinnen und Darstellern, die, gekleidet als Klimaktivistinnen und -aktivisten und mit zahlreichen Schildern ausgestattet, lautstark die Worte „climate justice“ rufen und dieser Forderung Fäuste schwingend deutlich Nachdruck verleihen. Schließlich ergreift ein junger Mann das Wort und stellt sich dem Publikum als Organisator einer Demo für den Klimaschutz vor. Das Stück nimmt seinen Lauf.

Schon der Prolog und der sich anschließende Beginn der ersten Szene des Musicals „Dream on“ führt die Zuschauer im voll besetzten Saal der Mensa an diesem Abend in eine fesselnde Verbindung von Musik, Tanz und Schauspiel. Seit Beginn des Schuljahres an der Primus Schule Minden hatten sich mehr als 100 Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgängen 7-10 mit der Einstudierung des zweistündigen Werkes befasst, geleitet und betreut von den Lehrkräften Matthis Weege, Johannes Sokoll, Volker Mönnich , Maxi Waros und Sabrina Martins.

Nach einer Vorlage aus dem gleichnamigen Theaterstück „Dream on“ von Volker Zill war dabei in Monate langer Arbeit eine collagenartig angelegte Inszenierung entstanden, in der sämtliche Jahrgangskurse des Faches „Darstellen und Gestalten“ schauspielerisch, tänzerisch und singend auf der Bühne agieren, musikalisch unterstützt von der Primus Bigband und den Chören der Jahrgänge 7 bis 10 unter der Leitung von Johannes Sokoll und Anthony Young. In verschiedensten Haupt- und Nebenrollen erzählen die Darstellerinnen und Darsteller in den jeweiligen Szenen von den Träumen und Hoffnungen junger Menschen auf eine lebens-und liebenswerte Zukunft. Sie berichten zugleich aber auch von zahlreichen Ängsten vor Ausgrenzung, Neid und Unverständnis, von all den Schwierigkeiten, ihre Traumvorstellungen im alltäglichen Leben Wirklichkeit werden zu lassen.

So lernen die Zuschauer in der szenischen Abfolge unterschiedlichste Personen und deren Lebenswelten kennen. Da ist zunächst der junge Klimaaktivist Dani (Milo Kakoschke, Jg.10), der Demos organisiert, sich in seinem Bemühen aber ständig gegen seine den Klimawandel ignorierenden Eltern durchsetzen muss. Man erfährt etwas über das Mädchen Bonnie (Elina Hahn, Jg.9) das, aus einem reichen Elternhaus kommend, eine ehrlich gemeinte Anerkennung bei ihren Freundinnen sucht, von diesen jedoch nur schamlos als Geldgeberin ausgenutzt wird. Ganz anders verhält es sich bei Liska (Mia Meyer, Jg.8), die mit ihrer strengen, alleinerziehenden Mutter und zahlreichen Tieren allein auf einem Bauernhof aufwächst und sich nach der Zuneigung ihres verstorbenen Vaters sehnt. Als der Vater Liska im Traum begegnet, finden beide für einen Moment nochmals zueinander, bevor der Vater wieder im Dunkel entschwindet. Liska verabschiedet sich von ihm mit dem von Mia Meyer hinreißend vorgetragenen Song „Creep“.

Gegen Ende der Schlussszene, in der sich die jugendliche Mirabell (Lotta Weller, Jg.10) als nonbinär outet und von ihrer besten Freundin auch nach dieser Entscheidung weiterhin akzeptiert werden möchte, wendet sich die Hauptdarstellerin schließlich mit einem letzten Traum an das Publikum Sie wünsche sich in einer Welt leben zu können, „ in der jeder so akzeptiert wird, wie er ist, solange er Menschen friedlich und mit Respekt begegnet.“

Der Chor begleitet diese eindrucksvolle Darstellung mit Christina Aguileras „Beautiful“ und leitet gemeinsam mit der Bigband über in ein großes Finale, in dem sich alle Mitwirkenden nochmals auf der Bühne zeigen und vom begeisterten Publikum mit lang anhaltendem Applaus verabschiedet werden.

Plakat Dream on